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Faktencheck

Überprüfung typischer Thesen von Klimawandelleugner*innen

1. Der Klimawandel verläuft drastischer als die Klimaveränderungen der Vergangenheit

Das Klima der Erde hat sich zwar schon immer gewandelt. Die aktuelle Erhitzung der Erde läuft allerdings viel schneller und heftiger ab, als das in der Vergangenheit der Fall war. Dies ist wissenschaftlich gut untersucht und belegt (z.B. Qunitero/Wiens, 2013). An solch schnelle Veränderungen kann sich die Natur kaum anpassen, sodass der Klimawandel mit einem großen Artensterben verbunden ist. Zum Beispiel verschieben sich die für viele Tiere und Pflanzen optimalen Lebensräume schneller als sie wandern können. Auch unsere Lebensgrundlagen geraten dadurch weiter unter Druck, nicht zuletzt aufgrund eines verstärkten Auftretens von Extremwetterereignissen wie Stürmen, Dürren und Starkniederschlägen.

Darüber hinaus droht sich die Erderhitzung zu beschleunigen, wenn sogenannte Kipppunkte im Klimasystem überschritten werden. Ein Kipppunkt ist beispielsweise das Schmelzen des arktischen Eises: Ist weniger Schnee und Eis auf der Erdoberfläche vorhanden, wird weniger Sonneneinstrahlung reflektiert und die Erde heizt sich stärker auf. 

Quellen:

Quintero I, Wiens JJ. (2013). Rates of projected climate change dramatically exceed past rates of climatic niche evolution among vertebrate species. Ecol Lett 16: 1095–1103.

Website der Scientists for Future.

2. Vom Menschen in die Luft gebrachte Treibhausgase stellen die Hauptursache der globalen Erwärmung dar

Fakt ist: Die wärmende Wirkung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan und Ozon wurde durch viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Beispielsweise kann mittels Flugzeuge und Satelliten die Wärme in Form von Strahlung, die an das Weltall abgegeben wird und somit in den Weltraum entweicht, gemessen werden. Dabei kann ermittelt werden, wie viel der von der Erde abgestrahlten Wärme von CO2 und anderen Gasen absorbiert wird („Absorptionsspektrum“). Daraus kann ein direkter, empirischer kausaler Zusammenhang zwischen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und der globalen Erwärmung abgeleitet werden. Die Menge des menschengemachten CO2 mag sehr gering wirken, jedoch verschiebt jede Erhöhung der CO2-Konzentration das Strahlungsgleichgewicht und damit die globale Temperatur. Aufgrund der großen Menge von der Sonne eingestrahlten Energie haben auch kleine Änderungen einen großen Effekt.

Fakt ist, dass durch Aktivitäten der Menschheit die CO2-Konzentration verglichen mit der vorindustriellen Zeit (vor 1750) bereits um rund vierzig Prozent zugenommen hat.

Fakt ist auch, dass die gegenwärtige Erderhitzung sich so schnell und heftig vollzieht, dass sie nicht mit orbitalen Faktoren wie bei vorherigen Deglaziationsphasen (Erderwärmungsphasen) erklärt werden könnte. CO2 verursacht also Erwärmung, die CO2-Konzentration steigt durch Verbrennung fossiler Energien, somit verursachen und verstärken wir die Erderhitzung. 

Quellen:

Harries, J., Brindley, H., Sagoo, P. et al. Increases in greenhouse forcing inferred from the outgoing longwave radiation spectra of the Earth in 1970 and 1997. Nature 410, 355–357 (2001). https://doi.org/10.1038/35066553

Shakun, J., Clark, P., He, F. et al. Global warming preceded by increasing carbon dioxide concentrations during the last deglaciation. Nature 484, 49–54 (2012). https://doi.org/10.1038/nature10915

3. In der Wissenschaft herrscht große Einigkeit zum menschengemachten Klimawandel

Es gibt einen breiten wissenschaftlichen Konsens zur menschengemachten Erderhitzung. Es sind sogar Studien zu begutachteter wissenschaftlicher Literatur, die in ihrem Abstract auf den Klimawandel hinweisen, durchgeführt worden, um zu überprüfen, ob es einen wissenschaftlichen Konsens gibt über den menschengemachten Klimawandel. Dazu wurden über 12 000 wissenschaftliche Studien ausgewertet. Es stellte sich heraus, dass 97 % der Studien, die in ihrem Abstract (Kurzfassung) eine Position zu menschengemachten Klimawandel ausdrückten, zu 97 % die Position unterstützen, dass der Mensch die globale Erwärmung verursacht. Es ist die Position von Wissenschaftsakademien aus 19 Ländern und vieler weiterer wissenschaftlicher Organisationen, die den Klimawandel studieren, dass der Mensch die globale Erwärmung verursacht. 

Fakt ist: Es gibt also einen wissenschaftlichen Konsens über den menschengemachten Klimawandel.

Quellen:

Cook et al 2013, Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature, John,  Environ. Res. Lett. 8 024024

Naomi Oreskes, The Scientific Consensus on Climate Change, Science 03 Dec 2004: Vol. 306, Issue 5702, pp. 1686, DOI: 10.1126/science.1103618

William R. L. Anderegg, James W. Prall, Jacob Harold, and Stephen H. Schneider, Expert credibility in climate change, PNAS first published June 21, 2010. https://doi.org/10.1073/pnas.1003187107

4. Die Energiewende ist auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll

Oberflächlich betrachtet mag es so wirken, dass die Energiewende kostenintensiv ist. Dies basiert allerdings auf einer fehlenden Kostentransparenz. Denn Fakt ist: durch den Einsatz erneuerbarer Energien können Ausgaben für fossile Energieträger vermieden werden. In den Jahren 1990 bis 2015 hat Deutschland 1,17 Billionen Euro für den Import von Gas, Öl und Kohle ausgegeben, für die Jahre 2016 bis 2040 würden ohne Energiewende über 5 Billionen Euro dazu kommen (Quelle: online-Artikel von Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin). Dieses Geld fließt meist ins Ausland, während die Investitionen in Wind- und Solarenergie zu einem Großteil der nationalen Wirtschaft zugutekommen. Dass die Kosten der Energiewende eine risikoarme Investition mit positiver Rendite für eine sicherere und nachhaltigere Energieversorgung sind, hat übrigens auch das Kasseler Fraunhofer-Insitut (Fraunhofer IEE) in einer 2014 veröffentlichten Studie gezeigt. Die Kosten der Energiewende stellen demnach auch Investitionen in eine zukunftsfähige Infrastruktur in Deutschland dar.

Überdies sinken die Kosten der erneuerbaren Energien kontinuierlich, während die Kosten für fossile Energieträger durch die Begrenztheit deutlich steigen können. Schätzungen des Umweltbundesamtes zufolge werden die durchschnittlichen Kosten für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050 auf ca. 6 – 7.7 ct/kWh sinken. Die Erzeugungskosten für Strom aus fossilen Energien werden dagegen stark ansteigen – nach vorliegenden Studien von 6 ct/kWh 2010 auf 15 ct/kWh 2050. Folglich muss also vielmehr die Frage beantwortet werden, was die Energieversorgung ohne den Umstieg auf erneuerbare Energien kosten würde.

Quellen:

Studie des Fraunhofer IEE (damals Fraunhofer IWES) zur Energiewende (2014): „Geschäftsmodell Energiewende – Eine Antwort auf das „Die-Kosten-der-Energiewende“-Argument“

Studie des Fraunhofer ISE (2015): „Was kostet die Energiewende? – Wege zur Transformation des deutschen Energiesystems bis 2050“

5. Die deutsche Energiewende zur Klimaneutralität ist sinnvoll

Fakt ist: Im Jahr 2018 lag Deutschland mit 8,4 t CO2 pro Kopf auf Platz 10 der weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen und noch vor China (15) und weit vor Indien (28). Unter den Europäischen Ländern belegt Deutschland mit Abstand Platz 1. (UBA 2018)

Um die Erderwärmung zu begrenzen, müssen im Grunde alle Länder Klimaschutz betreiben; die Verantwortung kann nicht alleine auf einzelnen wenigen Ländern liegen. Denn Verantwortung verschwindet bekanntlich nicht einfach, indem man sie in kleinere Teile zerlegt. Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf formulierte es in einem Tweet auf Twitter folgendermaßen: „Würde man die gesamte Weltbevölkerung in 50 Gruppen einteilen, von denen jede zwei Prozent der globalen Emissionen verursacht – folgt daraus dann, dass niemand etwas machen muss?“

Überdies haben beim Klimaschutz gerade hochindustrialisierte Nationen auch eine historische Verantwortung. USA und Europa sind für mehr als 80 Prozent der CO2-Emissionen seit 1850 verantwortlich. (Hickel, 2020)

Abgesehen davon: Wirtschaftsstarke Regionen und Länder wie Deutschland haben eine Vorbildfunktion inne. Sie müssen ihr technisches und wirtschaftliches Know-How nutzen, um sich klimafreundlich mit Energie zu versorgen. Wenn diese Länder nicht als Vorbilder für ein umweltfreundliches Leben voranschreiten, sind andere Nationen nur schwer davon zu überzeugen, den gleichen Weg einzuschlagen.

Gleiches gilt übrigens natürlich auch auf kommunaler Ebene: Wenn Kassel mit gutem Beispiel vorangeht, können sich andere Städte etwas abschauen – und damit kann Kassel auch über die Stadtgrenzen hinaus etwas bewirken.

Quellen:

Hickel, J. (2020). Quantifying national responsibility for climate breakdown: An equality-based attribution approach to carbon dioxide emissions in excess of planetary boundaries. Lancet Planetary Health , Forthcoming.

Umweltbundesamt (2018): „Übersicht zu historischen Treibhausgasemissionen“

6. Klimawandel ist Fluchtursache

Der Klimawandel zwingt und wird in der Zukunft viele Menschen auf vielfältige Art und Weise dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Einige der Hauptursachen werden im Folgenden erläutert. 

  1. Die Anzahl an Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände und Hitzewellen, hat sich laut eines aktuellen Berichts des UN-Büros für Katastrophenvorbeugung mit 7248 Katastrophen in den letzten 20 Jahren (2000 – 2019) im Vergleich zu den vorherigen 20 Jahren fast verdoppelt (UNDRR, 2019). Als Ursache dafür wird genannt: der Klimawandel. Laut des Berichts waren die am stärksten betroffenen Kontinente Asien, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen sind besonders schwer betroffen, da ihnen weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, mit den negativen Folgen umzugehen. Die Folgen davon, wenn Menschen durch Katastrophen ihre Lebensgrundlage verlieren, sind häufig Flucht und Migration.
  2. Die zunehmenden Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Dürren wirken sich besonders negativ auf extrem trockene Landschaften aus und beschleunigen dort die Wüstenbildung (Mirzabaev et al., 2019). Laut der Weltgesundheitsorganisation hat dies gesundheitliche Folgen für die dort lebenden Menschen, wie unter anderem Wasserknappheit, Gefährdung durch Mangelernährung und Krankheiten durch mangelnde Hygiene auf Grundlage des Wassermangels. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass durch die Ernährungsunsicherheit und Wasserknappheit bereits 150.000 Todesfälle pro Jahr zu verzeichnen sind (WHO, 2020). Die UN prognostiziert, dass die Zahl der Menschen ohne genügend Trinkwasser von derzeit 1,6 Milliarden Menschen auf rund 5 Milliarden Menschen steigen wird (UNESCO & UN-Water, 2020). Um zu Überlegen werden Menschen auch aus diesen Gründen zu Flucht und Migration gezwungen.
  3. Weiterhin lässt sich ein Steigen des Meeresspiegels feststellen. Laut einem Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change stieg der Meeresspiegel im Zeitraum von 1901 bis 2010 um 19 ± 2 cm (Church et al., 2013). Dieser Anstieg beschleunigt sich in den letzten Jahren stark (Nerem et al., 2018). Der Meeresspiegelanstieg lässt sich auf das Schmelzen des Eises an den Polen und die Ausdehnung des Wassers durch Erwärmung zurückführen. Beides sind Folgen des Klimawandels (IPCC, 2014). Die Folgen des Meeresspiegelanstiegs sind gewaltig. Laut einer aktuellen Studie könnte der Anstieg des Meeresspiegels im Jahr 2050 die Lebensgrundlage von etwa 300 Millionen Menschen bedrohen. Die Hälfte dieser Menschen hätte dann ein Zuhause, das unterhalb der Flutlinie liegt (Kulp & Strauss, 2019). Weitere Folgen sind Küstenerosion, Versalzung der Böden und des Trinkwassers. Damit sind auch die Folgen des Meeresspiegelanstiegs Flucht und Migration.

Quellen:

Church, J.A., P.U. Clark, A. Cazenave, J.M. Gregory, S. Jevrejeva, A. Levermann, M.A. Merrifield, G.A. Milne, R.S. Nerem, P.D. Nunn, A.J. Payne, W.T. Pfeffer, D. Stammer and A.S. Unnikrishnan (2013): Sea Level Change. In: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Stocker, T.F., D. Qin, G.-K. Plattner, M. Tignor, S.K. Allen, J. Boschung, A. Nauels, Y. Xia, V. Bex and P.M. Midgley (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA.

IPCC (2014): Climate Change 2014: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Core Writing Team, R.K. Pachauri and L.A. Meyer (eds.)]. IPCC, Geneva, Switzerland, 151 pp.

Kulp, S. A., & Strauss, B. H. (2019). New elevation data triple estimates of global vulnerability to sea-level rise and coastal flooding. Nature communications, 10(1), 1-12.

Mirzabaev, A., J. Wu, J. Evans, F. García-Oliva, I.A.G. Hussein, M.H. Iqbal, J. Kimutai, T. Knowles, F. Meza, D. Nedjraoui, F. Tena, M. Türkeş, R.J. Vázquez, M. Weltz (2019). Desertification. In: Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems. [P.R. Shukla, J. Skea, E. Calvo Buendia, V. Masson-Delmotte, H.-O. Pörtner, D.C. Roberts, P. Zhai, R. Slade, S. Connors, R. van Diemen, M. Ferrat, E. Haughey, S. Luz, S. Neogi, M. Pathak, J. Petzold, J. Portugal Pereira, P. Vyas, E. Huntley, K. Kissick, M. Belkacemi, J. Malley, (eds.)].

Nerem, R. S., Beckley, B. D., Fasullo, J. T., Hamlington, B. D., Masters, D., & Mitchum, G. T. (2018). Climate-change–driven accelerated sea-level rise detected in the altimeter era. Proceedings of the national academy of sciences, 115(9), 2022-2025.

United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR) (2019). Annual Report 2019.

UNESCO & UN-Water (2020). United Nations World Water Development Report 2020: Water and Climate Change, Paris, UNESCO.

World Health Organization (2020): Climate change: Land degradation and desertification

7. Temperaturanstieg der letzten Jahre am Beispiel der „Hockey-Stick-Kurve“

In einer Studie von Mann/Bradley aus dem Jahr 1999 wurde der Temperaturanstieg der vergangenen 1000 Jahre („Hockey-Stick-Kurve“) dargestellt. In dieser Studie wurden kleine statistische Schwächen festgestellt, jedoch gab es danach eine Vielzahl von unabhängigen Studien, die den wie ein Hockeyschläger geformten Temperaturanstieg bestätigen. Schlussfolgerung der Wissenschaftler*innen ist, dass das 20. Jahrhundert das wärmste Jahrhundert der letzten 1000 Jahre war und, dass die Erwärmung nach 1920 am stärksten ausfiel. Die Untersuchungen und Berechnungen wurden rekonstruiert und mit genaueren Methoden berechnet; die Kernaussage bleibt die gleiche wie in der Studie von Mann/Bradley.

Quellen:

Eugene R. Wahl·Caspar M. Ammann: Robustness of the Mann, Bradley, Hughes reconstruction of Northern Hemisphere surface temperatures: Examination of criticisms based on the nature and processing of proxy climate evidence, Climatic Change (2007) 85:33–69 DOI 10.1007/s10584-006-9105-7

Shaopeng Huang, Henry N. Pollack & Po-YuShen: Temperature trends over the past five centuries reconstructed from borehole temperatures, Nature, Vol 40, 17 February 2000

Video: Denial 101x- Making Sense of Climate Science Denial